Exportweltmeister Deutschland! Ein Grund zum Jubeln? Welche Konsequenzen haben Handelsüberschüsse?

Wir sind Weltmeister – wieder einmal Exportweltmeister! Vermutlich wird das Jahr 2014, nach 2013, ein weiterer Titelsieg für Deutschland. China wird wieder auf Platz 2 deklassiert. Ein wahrer Grund zur Freude! Der Titel bestätigt die enorme Wirtschaftskraft der Bundesrepublik und zeigt deutlich, wie gefragt die Waren und Dienstleistungen „Made in Germany“ sind. Deutschland ist eine Wirtschaftsmacht – in Europa und dem Rest der Welt. Das steht fest!

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Das klingt richtig super!
So lange, bis man sich fragt:

Was bedeutet eigentlich „Exportweltmeister“?
Was der Volksmund als Exportweltmeister bezeichnet, bedeutet im wirtschaftlichen Sinn: Deutschland, wie jedes andere Land in der Welt auch, führt eine Außenhandelsbilanz. Diese erfasst alle Güter (Waren und Dienstleistungen), die wir in andere Länder exportieren. Parallel erfasst sie alle Güter, die wir aus dem Ausland importieren. Ein Idealzustand ist erreicht, wenn die Leistungsbilanz ausgeglichen ist. Also genau so viele Güter exportiert wie importiert werden. Es werden die Bedürfnisse der Menschen der Länder im gleichen Wert gedeckt (Oliven aus Spanien gegen Auto aus Deutschland). Das Geld dient als Tausch- und Finanzierungsmittel, es ist im Wert stabil.

Wenn Deutschland durch sein besseres Wirtschaftswachstum gegenüber anderen Ländern mehr exportiert als importiert, bedeutet das, dass wir mehr produzieren als konsumieren. Die Bundesrepublik liefert reale Güter in andere Länder, erhält jedoch für den Handelsüberschuss keine Gegenleistung mehr! Es entsteht ein Ungleichgewicht (einer liefert mehr, der andere weniger). Da eine Bilanz aber immer ausgeglichen sein muss, muss dieses Ungleichgewicht der Exporte und Importe irgendwie ausgeglichen werden. Wie soll das gehen, wenn Deutschland nicht noch mehr Güter aus dem Ausland benötigt? Ja, ganz einfach – mit Geld! Die Handelsüberschüsse Deutschlands werden durch Schulden anderer Länder gedeckt, sie lassen quasi bei Deutschland „anschreiben“.

Wenn man nun genau nachdenkt, kommt man zu dem unangenehmen Schluss:
Der Exportweltmeister Deutschland liefert hochwertige Güter, die Kunden geben Deutschland als Gegenleistung ein Schuldversprechen. Genauer gesagt – Deutschland liefert Autos, Flugzeuge und Know-how in das Ausland, die Empfängerländer liefert von den Zentralbanken generiertes Fiatgeld zum Ausgleich ihres geringeren Exports zurück – und das Jahr für Jahr. Fiatgeld hat jedoch keinen Wert, nur Waren und Dienstleistungen haben Wert! Unglücklicherweise müssen sich diese Staaten stetig neu verschulden, um das Defizit auszugleichen. Ein Grund für die hohe Schuldenquote der europäischen Südstaaten.

Wir „verschenken“ unsere Handelsüberschüsse an unsere Handelspartner, denn alle Papierwährungen (= ein Versprechen auf Rückzahlung) enden wertlos! Unsere Autos fahren aber trotzdem im Ausland weiter, Deutschland verliert sicher einen Großteil seines Vermögens (in Währungen) im Falle eines Währungscrashs.

Exportweltmeister zu sein ist toll? Wenn Sie das nächste mal hören, wie stolz wir darauf sein sollen – denken Sie daran, dass Sie einen Teil Ihrer täglichen Arbeitsleistung letztlich an andere verschenken.

Empfehlenswert ist das folgende Video von Andreas Popp. Er erläutert dieses Thema sehr deutlich in seinem Vortrag und nimmt auch Bezug auf die internationalen Konzerne, die sich die Handelsbilanzen der Staaten zu Nutze machen.

(C) GELDRAUB

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