Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank – eine Verzweiflungstat, um die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu erhöhen!

Inflation – das gesetzte Ziel der EZB! Bisher haben alle Maßnahmen nicht richtig gegriffen, deshalb geht die EZB seit 2015 neue Wege. Sie kauft nun direkt Staatsanleihen und belässt den Leitzins auf historischen Tiefs. Warum tut sie das? Das Problem ist, dass sich das viele neu geschaffene Geld der letzten Jahre nicht in einer steigenden Inflationsrate nieder schlägt. Das gewünschte Ziel von knapp unter 2% pro Jahr ist noch sehr weit entfernt. Sie liegt in der Eurozone bei -0,3%, Stand Februar 2015.

Warum kauft die EZB Staatsanleihen für 1,14 Billion Euro?
Die EZB möchte mit den Anleihenkäufen zwei primäre Ziele erreichen: Erstens sollen Geschäftsbanken ihre Anleihepositionen verkaufen um neue günstige Kredite vergeben zu können, zweitens – und das ist noch entscheidender – soll die Geldumlaufgeschwindigkeit in der Eurozone insgesamt erhöht werden. Diese ist beim USD heute auf dem tiefen Stand seit 1960!

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Was bedeutet eine Verlangsamung der Umlaufgeschwindigkeit? Das viele neue Geld wird gehortet und nicht zwischen den Marktteilnehmern weiter gereicht! So kann es letztlich nicht bei den Verbraucherpreisen ankommen. Das zeigt die stetig sinkende Inflationsrate, die seit Dezember 2014 sogar negativ wurde.

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Das Dilemma für Mario Draghi
Die Geldumlaufgeschwindigkeit verlangsamt sich rapide, daraus resultiert die negative Inflationsrate. Gleichzeitig wird die Geldmenge stetig erhöht. Das bewirkt jedoch keine steigenden Kreditvergaben und erhöhten Konsum und damit kein Wachstum und keine Preissteigerungen. Das neue Geld wird vielmehr zwischen Vergabe und Konsum geparkt. Die bisherigen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen bringen also nicht den gewünschten Erfolg für die EZB Akteure – die Inflationsrate fällt weiter statt zu steigen.

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Die EZB möchte gebundenes Kapital für ihre Inflationsziele freimachen
Ein Hindernisgrund für eine höhere Geldumlaufgeschwindigkeit sind die Staatsanleihen. Sie binden gigantische Geldsummen zwischen zwei und 30 Jahren, das investiere Kapital kann nicht zwischen Waren und Dienstleistungen fließen. Es ist nicht liquide.

Dieses Geld möchte die EZB durch seine Anleihenkäufe frei machen. Sie tauscht frisches Geld gegen laufende Wertpapiere. Die Theorie: Die Geschäftsbanken vergeben durch die neue Liquidität mehr Kredite an die Wirtschaft. Das darf zumindest angezweifelt werden! Vermutich werden die Banken das frische Geld wiederum in neue Anleihen stecken. Denn die Zentralbank muss die Kreditvergabe an europäische Länder sicherstellen, gerade die Südländer der Eurozone benötigen immer mehr frisches Kapital um fällige alte teurere Kredite durch günstigere abzulösen und um das schrumpfende Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

Es wird sich zeigen, ob die Anleihekäufe durch die EZB die gewünschten Ziele erreichen. Erst in ein paar Quartalen kann man mehr zum Erfolg von 1.140.000.000.000 neu angegebenen Euro bis Herbst 2016 sagen. Ende 2015 kann man eine Prognose wagen. Das Ergebnis dürfte jedoch äußerst frustrierend sein: Vielleicht gewinnt man ein paar zehntel Prozentpunkte Inflationsrate hinzu. Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone insgesamt dürfte nicht stimuliert werden. Die Banken werden das Geld weiter im Finanzmarkt parken und die Spekulationsblasen noch weiter aufblähen. Wenn die EZB durch seine Maßnahmen die Inflationsrate 2015 gegen 0% steigern könnte, wäre das schon als „Erfolg“ zu verbuchen.

Fassen wir zusammen
Die EZB versucht verzweifelt die Inflationsrate zu erhöhen. Dafür schafft sie in 1,5 Jahren über eine Billion neue Euro mit dem Ziel, die Geldumlaufgeschwindigkeit zu erhöhen. Das frische Geld soll geparktes Geld freimachen und schneller zwischen Waren und Dienstleistungen fließen, um die Inflationsrate auf knapp 2% steigern.

Konsumenten und Sparer sind die Verlierer
Konsumenten und Sparer sind die Verlierer dieser EZB Politik. Immer mehr neues Geld lässt die Kaufkraft immer schneller sinken. Irgendwann wären 2% Inflation wunderbar – genau dann, wenn das Pendel umschlägt und ein Teil der heutigen gigantischen Geldmenge, aufgebläht durch weltweite QEs, den Weg zu den Realgüterpreisen findet und wir jenseits der 10% Teuerungsrate für essentiellen Konsum angelangt sind. Gleichzeitig wird man nur noch Negativzinsen auf Sparvermögen erhalten.

Um dieser doppelten Enteignung zu entkommen, entscheiden sich die Menschen zur Zeit entweder für risikoreiche Finanzmarktprodukte oder sie verkonsumieren das Geld sobald sie es erhalten. Eine weitere, oft unbeachtete Chance auf Sparen mit Kaufkrafterhalt ist der Besitz von Edelmetallen.

Bitte bedenken Sie – die Geldpolitik der EZB ist komplett aus dem Ruder gelaufen und ist durch pure Verzweiflung getrieben. Am Ende wird das unendliche ungedeckte Gelddrucken viel mehr Unheil anrichten als Gutes vollbringen. Unsere Währung wird ab einem gewissen Punkt das Vertrauen verlieren und in seiner Verwendung für Waren und Dienstleistungen wertlos. Das war in der Geschichte des Fiatmoney schon hunderte Male so – warum sollte es diesmal anders kommen?

 

(C) GELDRAUB

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