Griechenland vs. Wall Street – Die Blaupause für Deutschland. Staatsschuldenkrise in Europa auf dem Höhepunkt.

Es wird ernst! Der Fall Griechenland zeigt – ein wirtschaftlich unbedeutendes Land ängstigt einen ganzen Kontinent. Das kleine Land zeigt der Welt was passiert, wenn Staatsschulden explodieren. Aktuell hat der Staat Schulden in Höhe von 180% des BIP angehäuft. Griechenland, so wird befürchtet, könnte der Auslöser für den Niedergang des Euro, am Ende des heutigen Schuldgeldsystems werden. Damit das nicht geschieht, wird enormer Druck auf die Politiker und Lobbyisten Griechenlands ausgeübt. Jedoch wehrt sich die neue Regierung Syriza überraschend trotzig und schafft damit Neuland im Umgang mit Staatsschulden. Ein kleines Dorf voller Gallier gegen das übermächtige römische Imperium – Griechenland gegen Wall Street.

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Der Überlebenskampf des Finanzsystems

Auf der Seite der Politik wird verzweifelt versucht, das Finanzsystem per Gesetze zu stützen, jüngste Beispiele sind die Bail-In Beschlüsse bei Geschäftsbanken, die Kapitalverkehrskontrollen und -verordungen für den Krisenfall und die Legitimierung der mindestens moralisch fragwürdigen Handlungen der EZB zur Eurorettung. Das ist nur konsequent, die gesamte Politik ist direkt vom stetigen Geldfluss des Systems, den Banken, abhängig. Die Volksvertreter Europas handeln direkt gegen ihre Bürger.

Auf der anderen Seite ziehen die Zentralbanken alle Register, um die Liquidität im Markt hoch zu halten. Jeder soll sofort Unmengen von billigen Geld erhalten, vor allem die Staaten, die Südländer in Europa. Die Einführung von QE in der Eurozone Anfang 2015 ist ein direkter Indikator, dass wir in der letzten Phase des verzinsten Geldsystems stecken: Staatsschulden werden einfach durch Neuschaffung von Euro, im Volksmund als Gelddrucken bezeichnet, getilgt. QE aussetzen geht nicht mehr, das ist mathematisch unmöglich. Mit diesem letzten Schritt der Zentralbanken endeten letztlich alle Währung und wurden wertlos.

Besonders im Fokus steht aktuell Griechenland. Die griechische Regierung und die „Institutionen“ verhandelt vergeblich, die Umschuldung Griechenlands einvernehmlich zu gestalten und zu beschließen. Der GREXIT droht, es kann jetzt jederzeit passieren. Die Zinsen auf kurzfristige Staatsanleihen Griechenlands liegen bei unglaublichen 30%! Das kommt einem Default gleich. Die Gefahr für einen Staatsbankrotts Griechenlands war noch nie so groß wie im Juni 2015.

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Sture Griechen oder Volkshelden?
Was uns gerne als hochkomplexe Verhandlungen aller Beteiligten verkauft wird, ist letztlich nur „großes Theater“ für die Nachrichtenagenturen. Die vielen Diskussionen und Sitzungen und immer neuen Actio-Reactio-Lösungsvorschlägen verwirren und lenken damit von den eigentlichen Kern des Schuldenstreits ab: Die griechische Regierung lässt sich partout nicht diktieren, wie sie zu agieren hat. Das ist neu, die vorherigen Regierungen haben stets die Forderungen der Troika umgesetzt und sind dem Diktat gefolgt. Kenner des Geldsystems wissen, dass das Verhalten der griechischen Regierung letztlich ein Aufbäumen gegen Wallstreet und Co. bedeutet. Getreu dem Motto: „Hey, wir wollen kein neues Geld von euch, um alte Zinslasten abzulösen. Wir bezahlen einfach ab jetzt keine Zinsforderungen mehr, wir wollen einen Schuldenschnitt statt immer neue Schulden. Das Volk kommt zuerst, dann ihr Banken!“

Die Griechen spüren: hinter den „Institutionen“ lauern die Konzerne, die sich durch das „Schuldendilemma“ den Ausverkauf von Staatseigentum Griechenlands erhoffen, natürlich mit aus dem Nichts geschaffenem Fiatgeld zur Schuldentilgung. Nichts gegen echte Werte – Darum geht es bei Griechenland und das Theater im Schuldenstreit!

Die Haltung der griechischen Regierung ist nüchtern betrachtet völlig korrekt. Die Regierung Syriza steht auf der Seite seines Volkes und wehrt sich gegen die Übermacht der Gläubiger, der Finanzwelt. Sie versucht mit allen südländischen Tricks und Taktiken, Schaden vom Volk abzuwenden.

Warum soll man immer wieder eine neue Runde im Ponzischema mitspielen? Immer wieder alte Kredite durch neue ablösen um noch mehr Zinslast dem Volke aufzubürden? Die Bevölkerung leidet, die Wirtschaft bricht zusammen, der Tourismus stagniert, Vertrauen zerstört. Alle Rettungspakete der letzten 5 Jahre in Wert von hunderten Milliarden sind wirkungslos geblieben. Warum soll gerade jetzt neues Geld das alles umkehren? Nein – die Regierung rund um Alexis Tsipras macht das Richtige, sie sagt selbst sie habe den Auftrag des Volkes, diese Schuldenpolitik zu beenden. Sie lässt es nicht mehr zu, dass das griechische Volk ausgeplündert wird.

Fairerweise muss aber gesagt sein, dass Griechenland dringend Reformen braucht. Der Schludrian muss enden, aus Eigeninteresse der Regierung für die Zukunftsgestaltung des Landes.

Die Lösung für Griechenland, Stand Juni 2015, ist unserer Meinung nach: Schuldenschnitt auf 50% des BIP und allein von der griechischen Regierung initiierte Reformen zeitgleich, die das Land wieder wettbewerbsfähig machen. Die Agenda 2010 von Kanzler Schröder wäre ein mögliches Vorbild. Deutschland könnte viel Wissen und Amtshilfe beisteuern. Hilfe statt Diktat sollte wieder der Umgangston in Europa sein.


Kosten des GREXIT als Vorwand

Die Angst vor dem Schuldenschnitt sollte uns Bürger nicht ängstigen! Immerhin hat Griechenland gerade mal die Wirtschaftsleistung von Hessen, es wäre schmerzhaft, aber zu handeln. Verlierer wären dann natürlich die Gläubiger. Aber ganz ehrlich, um die muss es uns nicht wirklich leid tun. Auch einen Verlust aus einem 80% Haircut können sie locker verkraften. Das gilt jedoch nur für den Fall Griechenlands, ab Italien wird es richtig ungemütlich und der Kollaps des Schuldsystems droht. Es liegt also die Vermutung nah, dass an dem kleinen Griechenland ein Exempel statuiert werden soll, um größere Volkswirtschaften wie Italien, Spanien oder Frankreich nicht auf „dumme Gedanken“ kommen zu lassen, es Griechenland gleich zu tun und ihren Gläubigern den Mittelfinger zeigen.

Soviel man auch über „die Griechen“ schimpfen soll und mag (die Mainstream Medien unterstützen das gerne mit dem Bild des eitlen Griechen, der nach 25 Jahren unsinniger Arbeit im Staatsdienst in Rente geht, und ab dann von deutschen Steuergeldern lebt), sollten wir nicht vergessen die aktuellen Ereignisse genau zu beobachten und uns die Aktionen in den nächsten Wochen und Monaten merken. Warum? Ganz einfach, durch die Haftungskaskaden ist Deutschland der Letzte der im Schuldendilemma übrig bleibt. Das bedeutet, alles was in Griechenland von Seiten der Politik und der Finanzwelt installiert wird, tritt zeitversetzt auch in Deutschland in Kraft. Da wären Kapitalverkehrskontrollen, Erhöhung der Steuern, Bail-Ins bei fallenden Geschäftsbanken, eventuell eine Abschaffung des Bargeldes oder eine massive Einschränkung bei Barzahlungen und all das, was in Kürze noch beschlossen wird.

„Die Bestrebungen Griechenlands, sich gegen die Fortführung des Ponzi-Schemas zu stellen, sollte man unterstützen, anstatt der Meinung zur Alternativlosigkeit des Euro blind zu folgen.“

Je mehr sich der Schuldner wehrt, desto mehr verlieren die Finanzmärktakteure die Kontrolle, die einzig und allein um ihre Renditen fürchten! Je sturer man die Forderungen zurückweist, desto unsicherer wird die Gegenpartei. Das können wir als gesicherte Erkenntnis aus dem Verhalten Griechenlands vermerken. Ein mutiger Schritt gegen Wall Street – die Blaupause für Deutschland.


GREXIT – die Blaupause für Deutschland

Wird keine Lösung für Griechenland bis Ende 2015 gefunden, wird bis zum Ende des Jahrszehnts Deutschland das heutige Griechenland mit all seinen Problemen sein. Deutschland haftet am Ende für den Rest Europas. Die Deutschen müssten, nachdem alle Südländer mit Schuldenschnitten bereits entlastet wurden, selbst um einen Schuldenschnitt bei den „Institutionen“ betteln, um das Land vor dem Niedergang zu bewähren. Und das geht in der Regel sehr schnell, bereits 12 Monate nach einem GREXIT und dem Ausfall weiterer Euroländer ist der deutsche Steuerzahler dran. Vermutlich ist das spätestens das Ende des Euro durch die Erklärung des Staatsbankrotts der Bundesrepublik Deutschland.

Nichts ist alternativlos, wenn man den Kopf zum Denken verwendet. „Fällt der Euro, fällt Europa“ ist reine Panikmache um Denkblockaden zu errichten. Allein die Zinsempfänger profitieren davon, dieses System laufen zu lassen.

 

Video: Schuldenkrise Griechenland übersichtlich erläutert

 

 

(C) GELDRAUB

 

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